Das Wichtigste auf einen Blick:
Borreliose ist eine durch Zecken übertragene bakterielle Infektion, die bei Pferden vor allem den Bewegungsapparat betrifft. Viele Pferde kommen im Laufe ihres Lebens mit dem Erreger in Kontakt und bilden entsprechende Antikörper. Dennoch erkranken nur wenige Pferde tatsächlich an Borreliose. Zeigt Ihr Pferd entsprechende Anzeichen, sollte zunächst genau abgeklärt werden, woher die Beschwerden kommen. Ein positiver Antikörpertest bedeutet nicht automatisch, dass die Beschwerden durch Borreliose verursacht werden.
- Übertragung: Der Gemeine Holzbock ist eine in Deutschland häufig vorkommende Zeckenart und kann die Bakterien übertragen, die Borreliose verursachen. Eine Übertragung erfolgt in der Regel erst nach etwa 16 bis 24 Stunden Saugdauer. Wird die Zecke frühzeitig entfernt, ist eine Übertragung deutlich unwahrscheinlicher.
- Symptome: Wechselnde Lahmheit ohne Schwellung, Steifheit, verspannte Muskulatur, Leistungsabfall, Berührungsempfindlichkeit und wiederkehrendes Fieber, typischerweise in Schüben.
- Diagnose: Ein Antikörpertest zeigt, ob ein Pferd schon einmal mit dem Borreliose-Erreger in Kontakt gekommen ist. Er zeigt aber nicht, ob Borreliose die aktuellen Beschwerden verursacht. Deshalb ist es wichtig, die Symptome genau zu betrachten und auch andere mögliche Ursachen auszuschließen.
- Behandlung: Borreliose wird mit Antibiotika wie Doxycyclin oder Oxytetrazyklin behandelt. Die Behandlung dauert meist drei bis fünf Wochen. Bei Bedarf können zusätzlich Medikamente gegen Entzündungen eingesetzt werden. Die Heilungschancen sind gut, Rückfälle sind aber möglich.
- Vorbeugung: Es gibt keinen zugelassenen Impfstoff für Pferde. Tägliches Absuchen, Zeckenschutzmittel in der Hauptsaison und gepflegte Weiden senken das Risiko am wirksamsten.
Lesen Sie weiter, um die typischen Symptome sicher einzuordnen, Blutbild und Antikörperwerte richtig zu bewerten und zu erfahren, wie Therapie und Zeckenschutz in der Praxis aussehen.
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Rund um das Thema Borreliose gibt es viele Fragen. Denn Symptome, Testergebnisse und Krankheitsverläufe können sehr unterschiedlich sein. Umso wichtiger ist es, die wichtigsten Zusammenhänge verständlich zu erklären. So erhalten Sie eine gute Orientierung und wissen, worauf Sie bei Ihrem Pferd achten sollten und wann eine tierärztliche Abklärung sinnvoll ist.
Wie sich Pferde mit Borrelien anstecken
Der Übertragungsweg ist gut erforscht. Als Überträger fungiert in Mitteleuropa fast ausschließlich der Gemeine Holzbock, eine Zeckenart, die in Wäldern, an Waldrändern, in hohem Gras, an Hecken und auf naturnahen Weiden lebt. Saugt die Zecke Blut, können die Borrelien aus ihrem Darm über den Speichel in die Haut des Pferdes gelangen.
Dieser Vorgang braucht Zeit. Die Bakterien müssen im Zeckendarm zunächst aktiviert werden und in die Speicheldrüse wandern, was in der Regel etwa 16 bis 24 Stunden dauert. Daraus ergibt sich die wichtigste praktische Konsequenz überhaupt: Eine früh entfernte Zecke überträgt meist nichts. Das tägliche Absuchen nach Zecken und ihre schnelle Entfernung sind wichtige Maßnahmen zum Schutz vor einer Übertragung. Zusätzlich können geeignete Zeckenschutzmittel das Risiko eines Zeckenbisses und damit einer Übertragung von Borrelien verringern.
Die Zeckensaison beginnt in Deutschland bereits bei Temperaturen um sieben Grad und reicht damit häufig von Februar bis in den November hinein. Zwei Aktivitätsgipfel sind typisch, einer im Frühjahr und einer im Spätsommer bis Herbst. Milde Winter verlängern diese Zeitfenster zusätzlich.
Besonders gern setzen sich Zecken dort fest, wo das Fell dünn und die Haut weich ist. Kontrollieren Sie deshalb vor allem den Kopf mit Ganaschen und Ohrgrund, die Mähnenkammregion, Brust und Achselbereich, Bauch und Schlauch oder Euter, die Innenseiten der Schenkel, die Schweifrübe und die Fesselbeugen.
Sie haben eine Zecke entfernt und sind unsicher, wie lange sie schon gesaugt hat? Die Tierärzte in den Altano-Kliniken sagen Ihnen, ob eine Beobachtung ausreicht oder eine Untersuchung sinnvoll ist. Finden Sie jetzt eine Klinik in Ihrer Nähe.
Warum so viele Pferde Antikörper haben und so wenige krank werden
Untersuchungen aus Deutschland zeigen je nach Region, dass ein erheblicher Teil der Pferdepopulation Antikörper gegen Borrelien trägt. In manchen Gebieten liegt der Anteil bei einem Drittel, in besonders zeckenreichen Regionen deutlich darüber. Trotzdem sind klinisch erkrankte Pferde vergleichsweise selten.
Der Grund liegt im Immunsystem. Die meisten Pferde werden mit den Erregern von allein fertig, entwickeln Antikörper und bleiben gesund. Nur bei einem Teil der Tiere gelingt es den Bakterien, sich im Bindegewebe, in Gelenkkapseln, Sehnenscheiden oder Nervenstrukturen einzunisten und dort über längere Zeit Entzündungen auszulösen.
Für Sie als Besitzer bedeutet das: Ein positiver Test allein muss kein Grund zur Sorge sein. Entscheidend ist, das Testergebnis im Zusammenhang mit den Beschwerden Ihres Pferdes zu betrachten und auch andere mögliche Ursachen zu prüfen. So kann gezielt die Ursache gefunden und die passende Behandlung eingeleitet werden.
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Symptome erkennen
Die Beschwerden entwickeln sich meist schleichend und verlaufen typischerweise in Schüben. Über Wochen wirkt alles unauffällig, dann tritt plötzlich wieder eine Phase mit deutlichen Symptomen auf. Dieser wechselhafte Verlauf ist für die Erkrankung charakteristisch.
Am Bewegungsapparat zeigt sich das Krankheitsbild besonders häufig. Betroffene Pferde lahmen wechselnd, mal vorne, mal hinten, oft ohne dass eine Schwellung zu finden ist. Die Lahmheit springt von einer Gliedmaße zur anderen, verschwindet für Tage und kommt zurück. Dazu kommen Steifheit, besonders zu Beginn der Arbeit, verspannte Rücken- und Halsmuskulatur, ein verkürzter Bewegungsablauf und Widerstand beim Satteln oder Gurten.
Auch das Allgemeinbefinden verändert sich. Typisch sind ein deutlicher Leistungsabfall ohne erkennbaren Grund, schnellere Ermüdung, Lustlosigkeit unter dem Reiter, Berührungsempfindlichkeit der Haut, wiederkehrende Fieberschübe und ein allmählicher Verlust an Kondition. Auch Gewichtsverlust kann bei länger anhaltenden Beschwerden auftreten. In unserem Ratgeber Gewichtsverlust beim Pferd erfahren Sie, welche Ursachen dahinterstecken können und wie sie sich systematisch abklären lassen.
Seltener, aber möglich sind weitere Verläufe. Dazu gehören Entzündungen der inneren Augenhaut, die einer periodischen Augenentzündung ähneln, sowie neurologische Erscheinungen mit Koordinationsstörungen, Muskelschwund im Kopfbereich oder Verhaltensänderungen. Zeigt Ihr Pferd ein unsicheres, schwankendes Gangbild, sollten die Ursachen, wie im Ratgeber zur Ataxie beim Pferd beschrieben, systematisch abgeklärt werden. Solche Formen sind selten, gehören aber immer in tierärztliche Hand.
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Blutbild und Antikörpertiter richtig einordnen
Bei der Labordiagnostik ist eine genaue Einordnung besonders wichtig. Denn derzeit gibt es keinen Test, der eine aktive Borreliose zweifelsfrei nachweisen kann. Die Untersuchung liefert vielmehr wichtige Hinweise darauf, wie wahrscheinlich eine aktuelle Erkrankung ist.
Ein allgemeines Blutbild zeigt bei betroffenen Pferden häufig unspezifische Entzündungszeichen, etwa erhöhte Werte für Fibrinogen oder Serumamyloid A, teilweise auch veränderte weiße Blutkörperchen. Diese Befunde deuten auf ein entzündliches Geschehen hin, sagen aber nichts über dessen Ursache.
Zur eigentlichen Abklärung dienen Antikörpertests. Gängig sind Verfahren, die zwischen verschiedenen Antikörpertypen unterscheiden können. Bestimmte Antikörper sprechen eher für einen frischen Kontakt, andere für eine länger zurückliegende oder anhaltende Auseinandersetzung mit dem Erreger. Aussagekräftiger als ein Einzelwert ist deshalb fast immer die Verlaufskontrolle: Ein Antikörperwert, der über mehrere Wochen deutlich ansteigt, ist aussagekräftiger als ein einmalig erhöhter Wert.
In besonderen Fällen kann der Erreger direkt gesucht werden, etwa über eine Untersuchung von Gelenkflüssigkeit oder Gewebeproben. Ein positiver Direktnachweis ist beweisend, gelingt aber selten, weil sich die Bakterien im Gewebe zurückziehen.
Die Diagnose stützt sich daher am Ende immer auf drei Säulen zusammen: ein passendes klinisches Bild, ein auffälliger Antikörperbefund und der Ausschluss anderer Ursachen. Kommt eine deutliche Besserung unter der Therapie hinzu, gilt der Verdacht als weitgehend bestätigt.
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Die Behandlung: Antibiotika über mehrere Wochen
Steht der begründete Verdacht, wird antibiotisch behandelt. Borrelien sind unter anderem deshalb hartnäckig, weil sie sich in schlecht durchbluteten Geweben aufhalten. Eine kurze Behandlung genügt daher nicht.
Am häufigsten kommt Doxycyclin zum Einsatz, das über das Maul verabreicht wird und gut ins Gewebe gelangt. Die Behandlungsdauer liegt üblicherweise bei drei bis fünf Wochen. Bei schweren oder neurologischen Verläufen wird die Therapie oft mit Oxytetrazyklin als Infusion begonnen und anschließend oral fortgesetzt, weil so schneller hohe Wirkspiegel erreicht werden. Ergänzend verordnet das tierärztliche Team in vielen Fällen entzündungshemmende Medikamente, um Schmerz und Entzündung im Gelenk zu dämpfen.
Zwei Punkte sind dabei besonders wichtig. Erstens muss die Behandlung konsequent zu Ende geführt werden, auch wenn es dem Pferd schon deutlich besser geht. Ein vorzeitiger Abbruch begünstigt Rückfälle. Zweitens gehört Doxycyclin zu den Wirkstoffen, die bei einigen Pferden Magen-Darm-Reaktionen auslösen können. Beobachten Sie deshalb Kotbeschaffenheit und Fressverhalten und melden Sie Veränderungen. Pferde mit bekannter Magenproblematik brauchen besondere Aufmerksamkeit.
Während der Therapie ist moderate Bewegung in der Regel erlaubt und meist sogar förderlich, sportliche Höchstleistungen sollten jedoch pausieren. Den genauen Rahmen legt Ihr behandelnder Tierarzt fest.
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Heilungschancen realistisch einschätzen
Die Aussichten sind bei rechtzeitiger Behandlung überwiegend gut. Viele Pferde zeigen bereits in der ersten oder zweiten Behandlungswoche eine deutliche Besserung ihres allgemeinen Wohlbefindens. Wichtig ist aber ein nüchterner Blick auf drei Punkte, damit keine falschen Erwartungen entstehen.
Nach der Behandlung gibt es einige wichtige Punkte zu beachten:
Der Antikörpertiter sinkt nur langsam und kann noch Monate oder sogar Jahre nach einer überstandenen Infektion erhöht bleiben, ohne dass das Pferd erkrankt ist. Ein Kontrolltest direkt nach der Therapie ist daher wenig aussagekräftig. Sinnvoller sind Kontrollen mit einem Abstand von mehreren Monaten.
Auch wenn die Behandlung erfolgreich war, können bei manchen Pferden zu einem späteren Zeitpunkt erneut Beschwerden auftreten. In diesen Fällen kann eine weitere Behandlung notwendig sein. Das bedeutet nicht, dass die erste Therapie nicht erfolgreich war.
Bei einer länger bestehenden Erkrankung können außerdem Veränderungen an den Gelenken zurückbleiben, die auch nach erfolgreicher Behandlung der Infektion weitere Aufmerksamkeit und Behandlung benötigen. Je früher die Erkrankung erkannt und behandelt wird, desto besser sind die Chancen, solche Folgen zu vermeiden.
Die Symptome kommen nach der Behandlung zurück? Dann lohnt sich eine erneute Untersuchung, bevor nachbehandelt wird. Hier finden Sie eine Altano-Klinik in Ihrer Nähe.
Zeckenprophylaxe auf Weide und im Stall
Weil es für Pferde in Deutschland keinen zugelassenen Impfstoff gegen Borrelien gibt, ist die Vorbeugung die wirksamste Maßnahme. Sie besteht aus drei Bausteinen, die zusammen den größten Effekt haben.
- Der wichtigste Baustein ist die tägliche Kontrolle. Suchen Sie Ihr Pferd nach jedem Weidegang oder Ausritt an den bekannten Stellen ab, am besten beim Putzen mit der Hand, weil sich kleine Zecken besser ertasten als sehen lassen. Gefundene Zecken entfernen Sie mit einer Zeckenzange oder Zeckenkarte, indem Sie sie möglichst hautnah fassen und gerade herausziehen. Verzichten Sie auf Öl, Klebstoff oder Alkohol, denn diese Mittel reizen die Zecke und erhöhen die Menge an abgegebenem Speichel.
- Der zweite Baustein ist der Schutz durch Zeckenschutzmittel. Für Pferde zugelassene Mittel auf Basis von Permethrin oder Icaridin halten Zecken für einige Stunden fern und müssen regelmäßig erneuert werden, besonders nach Regen oder starkem Schwitzen. Sinnvoll ist die Anwendung vor allem an den bevorzugten Ansatzstellen.
- Der dritte Baustein ist die Weidepflege. Zecken brauchen Feuchtigkeit und Deckung. Kurz gehaltene Weiden, ein gepflegter Randstreifen zum Wald hin, zurückgeschnittene Hecken, entferntes Laub und Reisig sowie ein Zaunabstand zu Waldrändern und hohem Gras senken den Zeckendruck spürbar. Auch Auslaufflächen mit sandigem oder befestigtem Untergrund sind für Zecken unattraktiv.
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Nicht jede Zecke bedeutet Borreliose
Zum Schluss noch eine wichtige und beruhigende Information: Zecken können zwar verschiedene Erreger übertragen, doch die meisten Zeckenstiche bleiben für Pferde ohne Folgen. Örtliche Hautreaktionen wie eine kleine Schwellung oder eine Kruste an der Einstichstelle sind normal und heilen von selbst ab. Auch eine leichte Rötung ist zunächst kein Alarmzeichen.
Aufmerksam werden sollten Sie, wenn sich die Stelle stark entzündet, wenn das Pferd in den Wochen nach dem Stich Fieber entwickelt oder wenn Lahmheit und Leistungsabfall auftreten. Wie Sie Fieber sicher messen und einordnen, lesen Sie in unserem Ratgeber zu Fieber beim Pferd.
Bewahren Sie im Zweifel Ruhe und dokumentieren Sie stattdessen: Wann wurde die Zecke gefunden, wie lange saß sie vermutlich fest, wann traten welche Symptome auf.
Fazit: Genau hinsehen statt vorschnell zuordnen
Borreliose ist bei Pferden möglich, kommt jedoch deutlich seltener vor, als die vielen positiven Antikörperbefunde vermuten lassen. Entscheidend ist, einen Kontakt mit dem Erreger von einer tatsächlichen Erkrankung zu unterscheiden. So können Befunde richtig eingeordnet und gezielte Entscheidungen für die Behandlung getroffen werden.
Achten Sie auf das typische Muster aus wechselnder Lahmheit ohne Schwellung, Steifheit, Leistungsabfall und schubweisem Verlauf. Lassen Sie andere, häufigere Ursachen zuerst ausschließen, bevor die Infektion als Erklärung angenommen wird. Bewerten Sie Antikörpertests immer im Zusammenhang mit dem klinischen Bild und bevorzugen Sie Verlaufskontrollen gegenüber Einzelwerten. Führen Sie eine begonnene Antibiotikatherapie konsequent zu Ende und rechnen Sie damit, dass der Antikörperwert noch lange erhöht bleiben kann.
Am meisten erreichen Sie mit dem einfachsten Mittel: dem täglichen Absuchen nach dem Weidegang. Eine Zecke, die früh entfernt wird, überträgt in aller Regel nichts. Wenn Sie dazu Ihre Weiden pflegen und in der Hauptsaison Zeckenschutzmittel nutzen, ist Ihr Pferd gut geschützt.
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