Ataxie beim Pferd: Symptome, Ursachen und Behandlung 

30. Juli 2026

Das Wichtigste auf einen Blick

Wenn ein Pferd plötzlich schwankt, stolpert oder seine Bewegungen nicht mehr koordinieren kann, steckt häufig eine Ataxie dahinter. Ataxie beim Pferd ist keine eigenständige Krankheit, sondern ein Symptom für eine Störung im Nervensystem – die Ursachen reichen vom Wobbler-Syndrom über Infektionen bis zu Verletzungen. Je früher die Ursache gefunden wird, desto besser lässt sich das betroffene Pferd behandeln. Eine gründliche neurologische Untersuchung durch den Tierarzt ist dabei der entscheidende erste Schritt.

  • Was ist Ataxie? Eine Störung der Bewegungskoordination, weil Signale im Nervensystem nicht mehr richtig übertragen werden.
  • Formen: Bei der spinalen Ataxie liegt die Ursache im Rückenmark, bei der zerebellären im Kleinhirn.
  • Symptome: Schwankendes Gangbild, überkreuzende Beine, Stolpern sowie Beeinträchtigungen beim Wenden und Rückwärtsrichten – eingeteilt in Schweregrade von 1 bis 5.
  • Ursachen: Wobbler-Syndrom, Vergiftungen, Infektionen wie Borreliose oder das Equine Herpesvirus sowie Verletzungen der Halswirbelsäule.
  • Diagnostik & Behandlung: Neurologische Untersuchung, Röntgen, Myelographie, CT und MRT führen zur Diagnose; die Therapie richtet sich nach der Ursache.

Lesen Sie weiter, um die Symptome einer Ataxie sicher einzuordnen, die möglichen Ursachen zu verstehen und zu erfahren, welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt.

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Was ist Ataxie beim Pferd?

Der Begriff Ataxie stammt aus dem Griechischen und bedeutet Unordnung. Bei Pferden bezeichnet er eine Störung der Bewegungskoordination, die durch Probleme im Nervensystem verursacht wird. Betroffen sein können das Gehirn, das Rückenmark oder die peripheren Nervenbahnen. Die Signale, die normalerweise die Bewegungsabläufe steuern, werden nicht mehr korrekt übertragen – die Folge ist ein unsicheres Gangbild.

Ataxie ist dabei keine eigenständige Krankheit, sondern ein Symptom, das auf eine andere Erkrankung hinweist. Die Ausprägung kann von kaum merklichen Bewegungsstörungen bis hin zu massiven Koordinationsstörungen reichen, bei denen das Pferd Schwierigkeiten hat, aufzustehen oder zu gehen. Je nach Ursache unterscheidet man verschiedene Formen, darunter die spinale und die zerebelläre Ataxie.

Formen der Ataxie: Spinale und zerebelläre Ataxie

Je nach Lokalisation der Schäden im Nervensystem unterscheidet man verschiedene Formen der Ataxie beim Pferd. Diese Unterscheidung ist wichtig für die Diagnostik und die Behandlung.

Spinale Ataxie beim Pferd

Die spinale Ataxie ist die häufigste Form. Bei ihr liegt die Ursache im Rückenmark, das die Signale vom Gehirn zu den Gliedmaßen und zurück leitet. Wird das Rückenmark durch Druck, Verletzungen oder Infektionen geschädigt, kommt es zu Störungen in der Signalübertragung und damit zu typischen Bewegungs- und Gleichgewichtsstörungen. Das Wobbler-Syndrom beim Pferd ist eine häufige Ursache für die spinale Form.

Zerebelläre Ataxie beim Pferd

Bei der zerebellären Ataxie liegt die Ursache im Kleinhirn (Zerebellum), das für die Feinabstimmung der Bewegungen zuständig ist. Pferde mit dieser Form zeigen oft überschießende Bewegungen, Gleichgewichtsstörungen und Schwierigkeiten bei der Koordination. Sie kann durch Infektionen, Schäden am Gehirn oder angeborene Defekte der Nervenzellen entstehen. Die zerebelläre Form ist seltener als die spinale, zeigt aber charakteristische Symptome.

Ataxie-Symptome beim Pferd erkennen

Die Symptome können je nach Ursache, Form und Schweregrad variieren. Ein aufmerksamer Blick auf das Bewegungsverhalten Ihres Pferdes hilft dabei, Auffälligkeiten frühzeitig zu bemerken.

Typische Symptome und Bewegungsstörungen

Pferde mit Ataxie zeigen häufig ein schwankendes, unsicheres Gangbild, ihre Bewegungen wirken unkoordiniert. Betroffene Pferde stellen ihre Gliedmaßen weit auseinander, um das Gleichgewicht zu halten, oder überkreuzen die Beine. Weitere typische Ataxie-Symptome beim Pferd sind Schwierigkeiten beim Wenden auf engem Raum und Probleme beim Rückwärtsrichten. Manche Pferde stolpern häufig oder schleifen mit den Hufen. In schweren Fällen kann das Pferd hinfallen oder sich nur mit Mühe wieder aufrichten. Wie stark die Symptome ausfallen, hängt vom Schweregrad ab.

Schweregrade der Ataxie beim Pferd

Der Tierarzt beurteilt den Schweregrad auf einer Skala. Bei Grad 1 sind die Bewegungsstörungen nur bei genauer Beobachtung erkennbar. Pferde mit Grad 2 zeigen bereits deutlichere Koordinationsstörungen. Bei Grad 3 sind die Störungen offensichtlich, das Pferd hat Schwierigkeiten bei Bewegungen und beim Wenden. Grad 4 und 5 beschreiben schwere Ausprägungen, bei denen das Pferd kaum noch kontrollierte Bewegungsabläufe zeigt und Sturzgefahr besteht. Der Schweregrad beeinflusst Prognose und Behandlungsmöglichkeiten.

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Ursachen für Ataxie beim Pferd

Die Ursachen sind vielfältig und können im Rückenmark, im Gehirn oder in den peripheren Nervenbahnen liegen. Eine sorgfältige Diagnostik durch den Tierarzt ist wichtig, um die richtige Behandlung einleiten zu können.

Das Wobbler-Syndrom als Ursache für Ataxie

Das Wobbler-Syndrom beim Pferd ist eine der häufigsten Ursachen für eine spinale Ataxie. Dabei kommt es zu einer Kompression des Rückenmarks im Bereich der Halswirbelsäule – ausgelöst durch Fehlbildungen der Wirbel, Instabilität zwischen den Wirbeln oder degenerative Veränderungen. Durch den Druck auf das Rückenmark werden die Nervenbahnen geschädigt, was zu den typischen Symptomen führt. Besonders junge, schnell wachsende Pferde großer Rassen und ältere Pferde mit Verschleißerscheinungen an der Halswirbelsäule sind betroffen. 

Infektionen als Ursache für Ataxie beim Pferd

Verschiedene Infektionen können neurologische Symptome auslösen, indem sie die Nervenzellen und Nervenbahnen schädigen. Borreliose, übertragen durch Zecken, kann Rückenmark und Gehirn befallen und Koordinationsstörungen verursachen. Auch das Equine Herpesvirus (EHV-1) kann in seiner neurologischen Form schwere Bewegungsstörungen auslösen, die oft plötzlich auftreten. Weitere mögliche Auslöser sind die West-Nil-Virus-Infektion und bestimmte bakterielle Infektionen, die Gehirn oder Rückenmark betreffen.

Verletzungen und weitere Ursachen

Verletzungen der Halswirbelsäule oder des Rückenmarks durch Stürze oder Unfälle können die Nervenbahnen schädigen und eine Ataxie verursachen. Auch Tumore, Abszesse oder Blutungen im Bereich von Gehirn oder Rückenmark kommen als Ursachen in Frage. Bei älteren Pferden können degenerative Erkrankungen der Wirbel und Nervenbahnen eine Rolle spielen. Auch Vergiftungen können Ataxie verursachen. Manchmal führen auch Schmerzen oder Verspannungen im Bereich der Halswirbelsäule zu ähnlichen Symptomen, die der Tierarzt abgrenzen muss.

Diagnostik bei Ataxie: Wie wird die Krankheit erkannt?

Die Diagnostik erfordert eine systematische Vorgehensweise. Verschiedene Untersuchungsmethoden helfen dabei, die Ursache zu identifizieren und den Schweregrad einzuschätzen.

Die neurologische Untersuchung

Am Anfang steht eine gründliche neurologische Untersuchung. Der Tierarzt beurteilt das Gangbild in verschiedenen Situationen: beim geraden Vorwärts- und Rückwärtsrichten, beim Wenden, auf unebenem Untergrund und beim Gehen mit erhobener Kopfhaltung. Dabei bewertet er die Koordination aller Gliedmaßen und stuft den Schweregrad auf einer Skala ein. Auch Reflexe und die Reaktion auf Berührungen werden getestet, um die betroffenen Bereiche des Nervensystems einzugrenzen. Die Untersuchung gibt erste Hinweise darauf, ob eine spinale oder eine zerebelläre Ataxie vorliegt.

Bildgebende Verfahren bei Verdacht auf Ataxie

Bei Verdacht auf ein Wobbler-Syndrom oder andere strukturelle Veränderungen sind bildgebende Verfahren unverzichtbar. Röntgenaufnahmen der Halswirbelsäule können Veränderungen an den Wirbeln zeigen. Die Myelographie, bei der Kontrastmittel in den Wirbelkanal gegeben wird, macht Engstellen im Bereich des Rückenmarks sichtbar. In spezialisierten Kliniken können zusätzlich MRT oder CT eingesetzt werden, die besonders detaillierte Bilder liefern. Wie moderne bildgebende Diagnostik die Behandlung verändert, zeigt auch unser Beitrag zum Hufrollensyndrom.

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Behandlung von Ataxie beim Pferd

Die Behandlung richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache. Behandlungsmöglichkeiten und Prognose fallen je nach Ursache und Schweregrad unterschiedlich aus.

Konservative Behandlung

Bei manchen Ursachen kann eine konservative Behandlung helfen. Entzündungshemmende Medikamente reduzieren Schwellungen im Bereich des Rückenmarks und verringern den Druck auf die Nervenbahnen. Liegt eine Infektion zugrunde, ist eine gezielte Behandlung gegen den Erreger erforderlich. Physiotherapie und kontrollierte Bewegung können die noch vorhandene Koordination fördern und die Muskulatur unterstützen. Ziel ist es, die Bewegungsabläufe zu verbessern und die Lebensqualität des Pferdes zu erhalten.

Chirurgische Behandlung beim Wobbler-Syndrom

Beim Wobbler-Syndrom kann in bestimmten Fällen eine Operation sinnvoll sein. Dabei werden die betroffenen Wirbel der Halswirbelsäule stabilisiert, um weiteren Schaden am Rückenmark zu verhindern. Der Eingriff erfordert spezialisierte Chirurgen und eine sorgfältige Auswahl der geeigneten Patienten. Die Rehabilitation dauert mehrere Monate, und nicht alle Pferde profitieren gleichermaßen – der Erfolg hängt vom Schweregrad und vom Ausmaß der Schäden am Rückenmark ab.

Prognose und Reiten bei Ataxie

Die Prognose hängt stark von Ursache und Schweregrad ab. Pferde mit leichtgradiger Ataxie (Grad 1–2) können unter Umständen weiterhin geritten werden, möglicherweise mit Einschränkungen. Dabei ist eine ehrliche Einschätzung für die Sicherheit von Pferd und Reiter wichtig. Bei fortgeschrittenen Erkrankungsstadien (Grad 3–5) ist das Pferd meist nicht mehr reitbar. Im Vordergrund steht dann die bestmögliche Lebensqualität des Tieres. Die Prognose verbessert sich, wenn die Ursache behandelbar ist.

Fazit: Ataxie beim Pferd frühzeitig erkennen und behandeln

Ataxie beim Pferd ist ein komplexes Symptom mit vielfältigen Ursachen. Ob spinale Ataxie durch das Wobbler-Syndrom, zerebelläre Ataxie durch Schäden am Gehirn oder eine Ataxie durch Infektionen – eine gründliche Diagnostik durch den Tierarzt ist der Schlüssel zur richtigen Behandlung. Wenn Sie bei Ihrem Pferd Koordinations- oder Bewegungsstörungen bemerken, sollten Sie zeitnah einen Tierarzt hinzuziehen. Mit moderner Diagnostik und bildgebenden Verfahren lassen sich viele Ursachen identifizieren, und für einige gibt es wirksame Behandlungsmöglichkeiten. Auch wenn nicht jedes Pferd wieder geritten werden kann, verbessern eine angemessene Behandlung und gutes Management die Lebensqualität des betroffenen Pferdes.

Jedes Pferd mit Ataxie ist individuell zu betrachten. Lassen Sie sich von erfahrenen Tierärzten beraten, welche Behandlungsmöglichkeiten für Ihr Pferd bestehen. Vereinbaren Sie einen Termin zur Beratung

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