Das Wichtigste auf einen Blick:
Wenn ein Pferd beim Anheben der Hinterbeine plötzlich zu zittern beginnt, das Bein krampfartig wegstreckt oder sich beim Rückwärtsrichten schwertut, kann das Shivering-Syndrom dahinterstecken. Diese chronische, neurologische Bewegungsstörung – auch Zitterkrankheit genannt – betrifft vor allem große Pferderassen. Heilbar ist sie nach heutigem Wissensstand nicht, doch mit angepasster Haltung, Fütterung und einfühlsamen Training führen viele betroffene Pferde ein gutes Leben. Entscheidend sind Geduld im Handling und das Vermeiden von Stress und Kälte.
- Was ist Shivering? Eine chronische neurologische Störung mit Muskelzittern und Muskelkrämpfen, vor allem an der Hinterhand.
- Typische Symptome: Ruckartiges Wegstrecken der Hinterbeine beim Hufe-Auskratzen sowie deutliche Schwierigkeiten beim Rückwärtsrichten.
- Auslösende Situationen: Stress, Kälte und längere Stehzeiten verstärken das Zittern; nach dem Aufwärmen lässt es oft nach.
- Ursachen: Noch nicht vollständig geklärt – diskutiert werden Veränderungen an Kleinhirn und Nerven, der Muskelstoffwechsel sowie eine genetische Veranlagung.
- Management: Viel Bewegung im Offenstall, eine zucker- und stärkearme Fütterung und ein angepasstes Training erhalten die Lebensqualität.
Lesen Sie weiter, um die Shivering-Symptome beim Pferd sicher zu erkennen, die aktuellen Erkenntnisse zu den Ursachen zu verstehen und zu erfahren, wie Sie ein betroffenes Pferd im Alltag bestmöglich unterstützen.
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Was ist das Shivering-Syndrom beim Pferd?
Das Shivering-Syndrom, auf Deutsch auch Zitterkrankheit genannt, ist eine chronische neurologische Bewegungsstörung beim Pferd. Charakteristisch sind unwillkürliches Zittern, Muskelzittern und Muskelkrämpfe, die vor allem die Hinterhand und die Hinterbeine betreffen. Der englische Begriff Shivering leitet sich von to shiver ab, was zittern bedeutet, und beschreibt eines der auffälligsten Symptome dieser Krankheit.
Die Krankheit betrifft überwiegend große Pferderassen wie Kaltblüter, Friesen und Warmblüter ab einem Stockmaß von etwa 168 cm. Hengste und Wallache scheinen häufiger betroffen zu sein als Stuten. Die ersten Symptome zeigen sich meist im Alter zwischen vier und zehn Jahren. Ein zitterndes Pferd mit Shivering zeigt die typischen Symptome oft in den unten beschriebenen Situationen besonders deutlich.
Shivering-Symptome beim Pferd: Das Zittern erkennen
Die Symptome können von Pferd zu Pferd unterschiedlich stark ausgeprägt sein. Das Erkennen der typischen Anzeichen ermöglicht eine frühzeitige Diagnose.
Typisches Zittern und Muskelkrämpfe bei Shivering
Das charakteristischste Symptom zeigt sich beim Anheben eines Hinterbeins, etwa beim Hufe-Auskratzen oder beim Beschlag. Das Hinterbein wird ruckartig nach oben und seitlich weggestreckt, wobei starkes Zittern und Muskelzittern auftritt. Die Muskelkrämpfe können so stark sein, dass das betroffene Pferd das Bein nur schwer kontrolliert wieder abstellen kann. Bei manchen Pferden zeigen sich das Zittern und die Symptome auch an den Vorderbeinen oder im Schweif, der dann hochgezogen und zitternd gehalten wird. Das Muskelzittern ist ein typisches Zeichen der Zitterkrankheit.
Schwierigkeiten beim Rückwärtsrichten
Das Rückwärtsrichten ist für viele betroffene Pferde besonders problematisch und ein wichtiges Symptom. Sie zeigen deutliches Zögern, übertriebene Bewegungen der Hinterbeine oder verweigern das Rückwärtsrichten ganz. Die Hinterhand verkrampft, und es können Muskelkrämpfe und Zittern auftreten. Auch das Wenden auf engem Raum kann Schwierigkeiten bereiten. Im Vorwärtsgehen im Schritt und Trab sind die meisten betroffenen Pferde dagegen unauffällig.
Situationen, in denen Pferde mit Shivering besonders zittern
Die Symptome eines zitternden Pferdes verschlimmern sich oft unter bestimmten Bedingungen. Stress und Aufregung können das Zittern und die Muskelkrämpfe verstärken. Auch Kälte lässt das Muskelzittern deutlicher hervortreten. Nach längeren Ruhephasen, etwa nach der Nacht in der Box, sind die Symptome häufig stärker ausgeprägt, und das Anheben der Hinterbeine fällt besonders schwer. Nach dem Aufwärmen durch Bewegung und bei ruhigem, entspanntem Handling lassen die Symptome und das Zittern hingegen oft nach.
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Ursachen des Shivering-Syndroms beim Pferd
Die genauen Ursachen sind bis heute nicht vollständig geklärt. Die aktuelle Forschung liefert jedoch wichtige Erkenntnisse, die zum Verständnis dieser Krankheit beitragen.
Erkenntnisse zu den Ursachen der Zitterkrankheit
Untersuchungen haben gezeigt, dass bei betroffenen Pferden Veränderungen im Bereich des Kleinhirns und der Nerven vorliegen können. Diese Bereiche des Nervensystems sind für die Koordination von Bewegungen zuständig. Auch degenerative Veränderungen an den Nervenbahnen werden als Ursache für das Zittern und die Muskelkrämpfe diskutiert. Der Muskelstoffwechsel scheint ebenfalls verändert zu sein. Eine genetische Komponente wird vermutet, da bestimmte Rassen und Blutlinien häufiger betroffen sind. Die Ursachen des Shivering-Syndroms sind also wahrscheinlich multifaktoriell.
Zusammenhang mit dem Muskelstoffwechsel und anderen Erkrankungen
Bei manchen Pferden tritt das Shivering-Syndrom gemeinsam mit der Polysaccharid-Speicher-Myopathie (PSSM) auf, einer Krankheit des Muskelstoffwechsels, die ebenfalls vor allem große Pferde betrifft. Bei PSSM ist der Stoffwechsel in den Muskelzellen gestört, was zu Muskelkrämpfen und Verspannungen führen kann – ähnlich wie beim Kreuzverschlag beim Pferd, einer weiteren Muskelerkrankung. Ob ein direkter Zusammenhang zwischen PSSM und dem Shivering-Syndrom besteht, ist noch Gegenstand der Forschung. Bei Pferden mit Shivering-Symptomen kann es daher sinnvoll sein, auch auf PSSM und Störungen des Muskelstoffwechsels zu testen.
Diagnose: So wird das Shivering-Syndrom beim Pferd erkannt
Um das Shivering-Syndrom zu diagnostizieren, führt der Tierarzt verschiedene Untersuchungen durch. Die Diagnose basiert vor allem auf der Beobachtung der typischen Symptome in bestimmten Situationen.
Bei der Untersuchung wird der Tierarzt das Pferd beim Anheben der Hinterbeine, beim Rückwärtsrichten und beim Wenden beobachten. Das charakteristische Zittern und Muskelzittern sowie Muskelkrämpfe bei diesen Bewegungen sind wichtige Hinweise. Auch eine neurologische Untersuchung der Nerven und Reflexe hilft, die Krankheit zu diagnostizieren und andere Ursachen für das Zittern auszuschließen. Bei Verdacht auf eine zusätzliche Störung des Muskelstoffwechsels kann eine Muskelbiopsie durchgeführt werden – dabei wird eine kleine Gewebeprobe aus einem Muskel entnommen und im Labor untersucht, um Veränderungen genauer zu erkennen.
Leben mit Shivering: Haltung und Management für betroffene Pferde
Eine Heilung ist nach aktuellem Wissensstand nicht möglich. Dennoch können viele betroffene Pferde mit der richtigen Haltung und Betreuung ein gutes Leben führen. Das Management zielt darauf ab, Situationen zu vermeiden, die das Zittern verstärken, und das Wohlbefinden des Pferdes fördern.
Haltung und Bewegung für Pferde mit Shivering-Syndrom
Regelmäßige, gleichmäßige Bewegung tut den meisten betroffenen Pferden gut und kann das Zittern reduzieren. Lange Stehzeiten in der Box sollten vermieden werden, da die Symptome nach Ruhephasen oft stärker auftreten. Ein Offenstall oder regelmäßiger Auslauf ist daher vorteilhaft – die konstante Bewegung hält die Muskulatur warm und geschmeidig. Vor dem Training sollte das Pferd ausreichend Zeit zum Aufwärmen haben, um Muskelkrämpfe und starkes Zittern zu vermeiden. Da Kälte die Symptome verstärken kann, ist bei empfindlichen Pferden eine Eindeckung sinnvoll.
Fütterung bei Pferden mit Shivering und Zitterkrankheit
Die Fütterung sollte auf eine ausgewogene Versorgung mit hochwertigen Fasern ausgerichtet sein. Stärke- und zuckerreiche Futtermittel sollten reduziert werden, insbesondere wenn gleichzeitig PSSM oder andere Störungen des Muskelstoffwechsels vorliegen. Eine angepasste Fütterung mit Fett als alternativer Energiequelle kann bei manchen Pferden die Symptome positiv beeinflussen, da Fett den Stoffwechsel anders belastet als Zucker. Außerdem sollte die Fütterung ausreichend Mineralstoffe und Vitamine für Muskulatur und Nerven enthalten. Eine Beratung durch einen spezialisierten Tierarzt oder Fütterungsberater hilft, die Fütterung optimal anzupassen.
Die richtige Fütterung und Haltung kann die Lebensqualität von Pferden mit Shivering verbessern. Unsere Tierärzte beraten Sie gerne zur optimalen Versorgung Ihres zitternden Pferdes. Finden Sie eine Klinik in Ihrer Nähe.
Training von Pferden mit Shivering-Syndrom
Je nach Schweregrad können Pferde mit Shivering-Syndrom weiterhin geritten und gearbeitet werden. Die Anpassung des Trainings an die individuellen Möglichkeiten des betroffenen Pferdes ist dabei entscheidend.
Angepasstes Training für Pferde mit Zittern
Im Sattel sind viele Pferde kaum eingeschränkt, da das Zittern vor allem in bestimmten Situationen auftritt. Bewegung im Schritt, Trab und Galopp ist meist problemlos möglich. Übergänge, Seitengänge und das Rückwärtsrichten können jedoch schwieriger sein und Muskelkrämpfe auslösen. Mit einfühlsamen Training und angemessenen Anforderungen können viele betroffene Pferde, je nach Schweregrad, weiterhin gut geritten werden. Wichtig ist, das Pferd nicht zu überfordern, auf Anzeichen von Stress und Zittern zu achten und die Hinterbeine nicht unnötig lange angehoben zu halten, etwa beim Hufe-Auskratzen.
Prognose und realistische Erwartungen bei der Zitterkrankheit
Das Shivering-Syndrom ist eine fortschreitende Krankheit. Der Verlauf kann jedoch sehr unterschiedlich sein: Bei manchen Pferden schreitet die Zitterkrankheit schnell voran und das Zittern wird stärker, bei anderen bleibt sie über Jahre stabil. Regelmäßige tierärztliche Kontrollen helfen, den Verlauf zu beobachten und die Haltung bei Bedarf anzupassen. Wenn die Symptome zunehmen, das Zittern und die Muskelkrämpfe stärker werden und die Lebensqualität beeinträchtigen, sollte der Umgang mit dem Pferd angepasst werden. Die Prognose hängt vom individuellen Verlauf beim betroffenen Pferd ab.
Fazit: Mit dem Shivering-Syndrom und der Zitterkrankheit leben lernen
Die Diagnose Shivering-Syndrom stellt für viele Pferdebesitzer zunächst eine unerwartete Herausforderung dar. Doch mit dem richtigen Wissen und einer angepassten Betreuung können betroffene Pferde mit Zittern und Muskelkrämpfen oft noch viele gute Jahre erleben. Die Zitterkrankheit erfordert aufmerksames Management, Geduld beim Umgang mit dem Pferd – besonders beim Anheben der Hinterbeine und beim Hufe-Auskratzen – sowie realistische Erwartungen an die Leistung. Stress und Kälte sollten vermieden werden, um das Zittern nicht zu verstärken. Eine durchdachte Haltung im Offenstall mit ausreichend Bewegung, eine angepasste Fütterung mit reduziertem Zucker und reduzierter Stärke sowie ein einfühlsames Training unterstützen die Lebensqualität eines zitternden Pferdes bestmöglich. Auch wenn die Ursachen nicht vollständig geklärt sind und es keine Heilung gibt, können Sie durch gutes Management dem betroffenen Pferd ein gutes Leben ermöglichen.
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