Plötzlich zeigen sich am ganzen Körper Ihres Pferdes dicke Quaddeln – als hätte es in Brennnesseln gelegen. Nesselfieber (medizinisch Urtikaria) ist eine häufige allergische Reaktion bei Pferden, die von harmlos bis bedrohlich reichen kann. In diesem Ratgeber erfahren Sie, wie Sie Nesselfieber erkennen, wann es zum Notfall wird, welche Auslöser es gibt und wie Sie Ihrem Pferd sowohl akut als auch langfristig helfen können.
Was ist Nesselfieber und wie entsteht es?
Nesselfieber beim Pferd ist eine akute Hautreaktion, bei der sich innerhalb kürzester Zeit erhabene, begrenzte Schwellungen (Quaddeln) auf der Haut bilden. Diese entstehen durch eine überschießende Reaktion des Immunsystems, bei der Histamin und andere Botenstoffe freigesetzt werden. Die Blutgefäße werden durchlässiger, Flüssigkeit tritt ins Gewebe aus und es bilden sich die typischen Quaddeln.
Wie sieht Nesselsucht beim Pferd aus?
Kleine bis große, erhabene Schwellungen auf der Haut. Die Quaddeln sind klar begrenzt und fühlen sich fest an. Sie können wenige Millimeter bis mehrere Zentimeter groß sein. Die Haut über den Quaddeln ist oft gespannt. Die Schwellungen können einzeln auftreten oder zu größeren Flächen zusammenfließen. Typischerweise entwickeln sich die Quaddeln sehr schnell – oft innerhalb von Minuten bis wenigen Stunden.
Wo treten die Quaddeln auf?
Prinzipiell kann Nesselfieber am ganzen Körper auftreten.
Ursachen: Was löst Nesselfieber aus?
Die Auslöser für Urtikaria beim Pferd sind vielfältig. Oft ist die Ursachenfindung wie Detektivarbeit:
1. Futtermittelallergien:
Neue Futtermittel oder plötzliche Futterumstellung. Bestimmte Getreidearten, Eiweißquellen oder Zusatzstoffe. Schimmelbelastetes oder verdorbenes Futter. Leckerlis mit künstlichen Zusätzen oder Konservierungsstoffen.
2. Insektenstiche:
Mücken, Bremsen oder andere stechende Insekten. Besonders im Sommer und auf der Weide häufig. Bei manchen Pferden reicht bereits ein einzelner Stich aus.
3. Medikamente:
Antibiotika, besonders Penicillin. Entzündungshemmende Medikamente. Impfungen (als seltene Nebenwirkung). Entwurmungsmittel.
4. Kontaktallergien:
Waschmittelreste in Decken oder Bandagen. Putzmittel oder Desinfektionsmittel. Neue Sattelunterlagen oder Gurte. Fliegensprays oder Pflegeprodukte.
5. Umweltallergene:
Pollen von Bäumen, Gräsern oder Kräutern. Schimmelsporen in Heu oder Stroh. Stallstaub.
6. Stress und körperliche Anstrengung:
Bei manchen Pferden kann intensives Training Nesselfieber auslösen. Auch Stress oder Aufregung können ein Auslöser sein.
7. Infektionen:
Manchmal tritt Nesselfieber im Zusammenhang mit viralen oder bakteriellen Infektionen auf. Der Körper reagiert dabei auf die Krankheitserreger oder deren Abbauprodukte.
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Harmlose Quaddeln oder gefährlicher Notfall?
Die meisten Fälle von Nesselfieber beim Pferd sind unangenehm, aber nicht gefährlich. Es gibt jedoch Situationen, in denen Sie sofort handeln müssen:
Harmlos – Beobachtung ausreichend:
Einzelne oder mehrere Quaddeln auf Hals, Schulter oder Körper. Das Pferd zeigt kein Krankheitsgefühl und frisst normal. Die Atmung ist normal, kein Husten. Keine Schwellung im Kopfbereich. Die Quaddeln jucken eventuell leicht, aber das Pferd ist nicht in Panik.
Aufmerksam beobachten – Tierarzt kontaktieren:
Viele Quaddeln am ganzen Körper. Die Quaddeln breiten sich schnell aus. Das Pferd wirkt unruhig oder zeigt Unwohlsein. Leichte Schwellungen im Kopfbereich (Nüstern, Augenpartie). Die Quaddeln bestehen länger als 24 Stunden.
Notfall – sofort Tierarzt rufen:
Schwellungen im Kopfbereich, besonders an Nüstern, Maul oder Kehlkopf. Atemnot, pfeifende Atemgeräusche oder beschleunigte Atmung. Das Pferd zeigt Panik oder starke Unruhe. Die Schleimhäute sind bläulich verfärbt (Sauerstoffmangel). Zusätzlich Kreislaufprobleme – erhöhter Puls, Schwäche, Taumeln. Schwellungen, die sich innerhalb von Minuten massiv ausbreiten.
Achtung: Bei Schwellungen im Kopf- und Halsbereich besteht die Gefahr eines anaphylaktischen Schocks oder einer Atemnot durch Zuschwellen der Atemwege. Dies ist lebensbedrohlich!
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Erste Hilfe bei Nesselfieber
Wenn Sie Quaddeln bei Ihrem Pferd entdecken, können Sie mit diesen Sofortmaßnahmen helfen:
Bei harmlosen Quaddeln:
Bringen Sie das Pferd in einen ruhigen, schattigen Bereich. Entfernen Sie mögliche Auslöser: Nehmen Sie Decken ab, stellen Sie Futter weg, das neu eingeführt wurde. Kühlen Sie die betroffenen Stellen vorsichtig mit kaltem Wasser – dies lindert Juckreiz und reduziert die Schwellung. Beobachten Sie das Pferd engmaschig – fotografieren Sie die Quaddeln, um den Verlauf zu dokumentieren. Geben Sie Ihrem Pferd zunächst nur Heu und Wasser – weiteres Futter erst, wenn die Ursache geklärt ist.
Bei Notfallsymptomen (bis der Tierarzt eintrifft):
Bleiben Sie ruhig – Ihre Ruhe überträgt sich auf das Pferd. Halten Sie die Atemwege frei – entfernen Sie Halfter und alles, was den Hals einengen könnte. Führen Sie das Pferd langsam im Schritt, wenn es ruhig bleibt – Bewegung kann die Durchblutung fördern. Dokumentieren Sie den genauen Zeitpunkt des Auftretens und alle Aktivitäten/Futtermittel der letzten Stunden.
Was Sie nicht tun sollten:
Geben Sie keine Medikamente ohne tierärztliche Anweisung – auch keine vermeintlich harmlosen Schmerzmittel. Tragen Sie keine Salben oder Cremes auf die Quaddeln auf. Reiben oder massieren Sie die geschwollenen Stellen nicht. Lassen Sie das Pferd nicht allein, besonders nicht bei Notfallsymptomen.
Die tierärztliche Behandlung
Ihr Tierarzt wird zunächst das Ausmaß der Reaktion beurteilen und dann entsprechend handeln:
Akutbehandlung bei Nesselsucht:
Antihistaminika: Diese blockieren die Wirkung von Histamin und reduzieren damit Juckreiz und Schwellung. Sie werden meist als Injektion gegeben für schnelle Wirkung.
Kortikosteroide: Bei stärkeren Reaktionen werden entzündungshemmende Kortisonpräparate eingesetzt. Diese wirken schnell und effektiv gegen die allergische Reaktion.
Infusionen: Bei Kreislaufproblemen oder zur Unterstützung der Nierenfunktion beim Ausscheiden der Allergene.
Langzeitbehandlung bei chronischem Nesselfieber:
Wenn Nesselfieber wiederholt auftritt, ist eine systematische Ursachensuche notwendig:
Ausschlussdiät über mehrere Wochen zur Identifikation von Futtermittelallergien. Allergietests (Bluttest oder Intrakutantest) zur Identifikation von Umweltallergenen. Führen eines Tagebuchs: Wann treten die Quaddeln auf? Was hat das Pferd gefressen? Welche Aktivitäten gab es? Langfristige Gabe von Antihistaminika in der Allergiesaison. Bei schweren Fällen: Immuntherapie (Desensibilisierung).
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Ursachenforschung: So finden Sie den Auslöser
Bei einmaligem Nesselfieber ist die Ursachensuche oft schwierig. Bei wiederkehrendem Nesselfieber sollten Sie systematisch vorgehen:
1. Führen Sie ein Allergie-Tagebuch:
Notieren Sie täglich: Was hat das Pferd gefressen (inkl. Leckerlis)? Welche Aktivitäten gab es (Training, Ausritt, Weidegang)? Welche Produkte wurden verwendet (Pflegemittel, Fliegenspray)? Wann traten die Quaddeln auf? Wie sahen sie aus? Wetterbedingungen und Pollenflug.
2. Führen Sie eine Ausschlussdiät durch:
Füttern Sie über 4 bis 6 Wochen nur Heu und Wasser (nach Rücksprache mit dem Tierarzt). Wenn die Symptome verschwinden, fügen Sie langsam einzelne Futtermittel wieder hinzu – jeweils im Abstand von 5 bis 7 Tagen. Tritt Nesselfieber wieder auf, haben Sie den Übeltäter gefunden.
3. Testen Sie Kontaktallergene:
Waschen Sie alle Decken, Bandagen und Sattelunterlagen mit hypoallergenem Waschmittel. Probieren Sie nacheinander verschiedene Pflegeprodukte aus. Beobachten Sie, ob eine Veränderung eintritt.
4. Berücksichtigen Sie saisonale Muster:
Tritt Nesselfieber nur im Frühjahr/Sommer auf? → Verdacht auf Pollenallergie oder Insektenstiche. Nur im Winter? → Eher Futtermittel- oder Schimmelallergie durch Heu. Nach bestimmten Tätigkeiten (z.B. immer nach dem Training)? → Belastungsinduzierte Urtikaria.
5. Lassen Sie Allergietests durchführen:
Bluttests (IgE-Bestimmung) können Hinweise auf Allergien geben. Intrakutantests (kleine Mengen verschiedener Allergene werden in die Haut gespritzt) zeigen direkte Reaktionen. Diese Tests sind nicht zu 100 Prozent zuverlässig, geben aber wichtige Hinweise.
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Management bei chronischem Nesselfieber
Wenn Ihr Pferd regelmäßig unter Nesselsucht leidet, können Sie mit diesen Maßnahmen helfen:
Fütterungsmanagement:
Füttern Sie nur hochwertige, getestete Futtermittel. Vermeiden Sie Futtermittel mit vielen Zusatzstoffen. Bei bekannten Allergien: Strikte Vermeidung der Auslöser. Ergänzen Sie bei Bedarf mit natürlichen Antihistaminika wie Schwarzkümmelöl (nach Rücksprache mit dem Tierarzt).
Haltungsoptimierung:
Reduzieren Sie Staub im Stall durch Befeuchten der Einstreu oder Verwendung von entstaubtem Material. Sorgen Sie für gute Belüftung ohne Zugluft. Bei Pollenallergie: Halten Sie das Pferd während der Hauptflugzeit (meist morgens) im Stall. Stellen Sie das Pferd nachts raus, wenn der Pollenflug geringer ist.
Insektenschutz:
Fliegenmasken und Ekzemerdecken schützen vor Insektenstichen. Verwenden Sie verträgliche Insektensprays. Vermeiden Sie Weiden in der Nähe von stehendem Wasser (Brutstätten für Mücken).
Stressreduktion:
Halten Sie den Tagesablauf möglichst konstant. Vermeiden Sie unnötigen Stress (häufiger Herdenwechsel, lange Transporte). Sorgen Sie für ausreichend Bewegung und mentale Auslastung.
Medikamentöse Prophylaxe:
In der Allergiesaison kann eine vorbeugende Gabe von Antihistaminika sinnvoll sein. Sprechen Sie mit Ihrem Tierarzt über einen individuellen Behandlungsplan.
Besondere Situationen: Nesselfieber nach Impfungen
Gelegentlich tritt Nesselfieber als Nebenwirkung nach Impfungen auf. Dies ist meist harmlos, sollte aber beachtet werden:
Typischer Verlauf:
Quaddeln entwickeln sich 6 bis 24 Stunden nach der Impfung. Meist am ganzen Körper verteilt. In der Regel harmlos und bilden sich innerhalb von 24 bis 48 Stunden von selbst zurück.
Was Sie tun sollten:
Beobachten Sie das Pferd engmaschig. Informieren Sie Ihren Tierarzt – er kann entscheiden, ob eine Behandlung nötig ist. Dokumentieren Sie die Reaktion für zukünftige Impfungen.
Wann es ernst wird:
Wenn zusätzlich Atemnot, Kreislaufprobleme oder starke Schwellungen im Kopfbereich auftreten, handelt es sich um einen anaphylaktischen Schock – dies ist ein Notfall!
In seltenen Fällen können Quaddeln auch nach physiotherapeutischen Behandlungen auftreten, insbesondere nach intensiven Maßnahmen wie dem Lösen von Faszien. Diese Hautreaktionen sind meist vorübergehend und klingen innerhalb kurzer Zeit von selbst ab.
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Prognose: Wie sind die Aussichten?
Die Prognose bei Nesselfieber hängt von der Ursache und der Möglichkeit ab, den Auslöser zu meiden:
Akutes, einmaliges Nesselfieber:
In den meisten Fällen verschwinden die Quaddeln innerhalb von 24 bis 48 Stunden vollständig. Mit Behandlung oft schon nach wenigen Stunden deutliche Besserung. Keine bleibenden Schäden zu erwarten. Wenn der Auslöser identifiziert und gemieden werden kann, tritt das Problem nicht wieder auf.
Chronisches oder wiederkehrendes Nesselfieber:
Die Prognose hängt davon ab, ob die Ursache gefunden werden kann. Bei identifizierbarem Auslöser und konsequenter Vermeidung: Gute Aussichten. Bei unklarer Ursache oder nicht meidbaren Allergenen: Langfristiges Management notwendig. Moderne Behandlungsmöglichkeiten ermöglichen aber ein weitgehend normales Leben.
Notfallsituationen:
Bei rechtzeitiger Behandlung eines anaphylaktischen Schocks ist die Prognose gut. Betroffene Pferde sollten bei zukünftigen Risikosituationen (Impfungen, bekannte Allergene) engmaschig überwacht werden.
Vorbeugung: Kann man Nesselfieber verhindern?
Nicht alle Fälle lassen sich verhindern, aber Sie können das Risiko senken:
Führen Sie Futtermittel langsam ein – nie abrupte Umstellungen. Verwenden Sie hochwertige Futtermittel ohne unnötige Zusätze. Halten Sie den Stall sauber und staubarm. Schützen Sie Ihr Pferd vor Insekten in der entsprechenden Saison. Bei bekannten Allergien: Strikte Vermeidung der Auslöser. Stärken Sie das Immunsystem durch bedarfsgerechte Fütterung und stressfreie Haltung. Dokumentieren Sie alle Reaktionen – so erkennen Sie Muster.
Fazit: Nesselfieber ernst nehmen, aber nicht in Panik geraten
Nesselfieber beim Pferd ist in den meisten Fällen unangenehm, aber nicht gefährlich. Die wichtigsten Punkte zusammengefasst:
Erkennen Sie die Symptome – plötzlich auftretende Quaddeln am Körper. Unterscheiden Sie harmlose von gefährlichen Situationen – Schwellungen im Kopfbereich sind ein Notfall. Suchen Sie systematisch nach der Ursache – ein Allergie-Tagebuch hilft dabei. Bei wiederkehrendem Nesselfieber: Lassen Sie eine gründliche Allergiediagnostik durchführen. Mit dem richtigen Management können auch Pferde mit chronischer Nesselsucht ein normales Leben führen.
Mit Aufmerksamkeit, systematischer Ursachensuche und der richtigen Behandlung können die meisten Pferde mit Nesselfieber gut leben.
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