Kreisrunde, kahle Stellen im Fell, die sich schnell ausbreiten – Hautpilz ist eine der häufigsten und gleichzeitig ansteckendsten Hauterkrankungen bei Pferden. Besonders in den Herbst- und Wintermonaten, wenn Pferde enger zusammenstehen und das Immunsystem durch Fellwechsel und Kälte belastet ist, haben Pilzinfektionen Hochsaison. In diesem Ratgeber erfahren Sie, wie Sie Hautpilz erkennen, welche Übertragungswege es gibt, wie Sie andere Pferde und sich selbst schützen können und welche Behandlungsmethoden wirklich helfen.
Was ist Hautpilz und wie entsteht er beim Pferd?
Hautpilz beim Pferd wird durch verschiedene Fadenpilze (Dermatophyten) verursacht. Die häufigsten Erreger sind Trichophyton equinum und Microsporum-Arten. Diese Pilze ernähren sich von Keratin, dem Hauptbestandteil von Haut, Haaren und Hufen.
Wie infiziert sich ein Pferd mit Hautpilz?
Die Pilzsporen sind äußerst widerstandsfähig und können monatelang in der Umgebung überleben. Die Ansteckung erfolgt durch:
- Direkten Kontakt mit infizierten Pferden – schon kurzes Beschnuppern kann reichen
- Gemeinsam genutztes Equipment wie Putzzeug, Decken, Sattelgurte oder Halfter
- Kontaminierte Stalleinrichtungen wie Boxenwände, Zaunpfosten oder Tränken
- Über den Menschen als Überträger – an Kleidung und Händen haften die Pilzsporen
- Durch Insekten, die Sporen von Pferd zu Pferd tragen können
Warum sind manche Pferde anfälliger?
Geschwächtes Immunsystem durch Stress, Krankheit oder schlechte Fütterung. Junge Pferde und Fohlen mit noch unreifem Immunsystem. Fellwechselzeit, wenn der Körper zusätzlich belastet ist. Feucht-warme Bedingungen im Stall. Mangelhafte Hygiene und überbelegte Ställe.
Hautpilz erkennen: Diese Symptome sind typisch
Eine Pilzinfektion beim Pferd zeigt sich meist mit charakteristischen Symptomen:
Frühe Anzeichen:
Kleine, kreisrunde kahle Stellen im Fell, oft mit leicht erhabenen Rändern. Die Haut darunter ist schuppig und manchmal leicht gerötet. Die Stellen fühlen sich oft etwas verkrustet an. Bevorzugte Stellen sind Kopf, Hals, Schulter und Sattellage.
Fortgeschrittenes Stadium:
Die kahlen Stellen werden größer und breiten sich aus. Mehrere Stellen können zusammenfließen. Das Fell um die betroffenen Stellen bricht leicht ab. Manchmal entsteht leichter Juckreiz, aber nicht immer. Die Haut kann schuppig-krustig oder auch nässend sein.
Wichtig: Nicht jede kahle Stelle ist Hautpilz! Auch andere Hauterkrankungen wie Ekzeme, Milbenbefall oder Allergien können ähnlich aussehen. Finden Sie jetzt eine Klinik in Ihrer Nähe.
Diagnose: So stellt der Tierarzt Hautpilz fest
Auch wenn die typischen kreisrunden kahlen Stellen sehr charakteristisch sind, sollte die Diagnose immer tierärztlich gesichert werden:
Klinische Untersuchung:
Betrachtung der betroffenen Hautstellen unter gutem Licht. Beurteilung von Lokalisation, Form und Ausbreitung der Hautveränderungen. Untersuchung weiterer Pferde im Bestand.
Wood-Lampe (UV-Licht):
Manche Pilzarten (besonders Microsporum) leuchten unter UV-Licht grünlich. Dies ist ein schneller Screening-Test, aber nicht alle Pilze leuchten, daher ist ein negatives Ergebnis kein Ausschluss.
Hautgeschabsel und mikroskopische Untersuchung:
Mit einem Skalpell werden Hautschuppen und Haare von den betroffenen Stellen entnommen. Unter dem Mikroskop können Pilzsporen und befallene Haare sichtbar gemacht werden. Durch die Untersuchung eines Hautgeschabsels im Labor können neben Hautpilz noch verschiedene weitere Hauterkrankungen diagnostiziert oder ausgeschlossen werden.
Pilzkultur (Goldstandard):
Die Probe wird auf speziellem Nährboden kultiviert. Nach 1 bis 3 Wochen kann der genaue Erreger bestimmt werden. Dies ist die sicherste Methode, dauert aber länger.
Sie vermuten Hautpilz bei Ihrem Pferd? Die Spezialisten in den Altano-Kliniken führen eine sichere Diagnostik durch und leiten die richtige Behandlung ein. Finden Sie jetzt eine Klinik in Ihrer Nähe.
Ansteckungsgefahr: Wie schützen Sie andere Pferde?
Hautpilz ist hochansteckend! Sobald Sie den Verdacht haben, müssen Sie sofort handeln, um eine Ausbreitung zu verhindern:
Sofortmaßnahmen im Stall:
Isolieren Sie das betroffene Pferd sofort in einer separaten Box. Kennzeichnen Sie die Box deutlich (z.B. mit einem roten Schild „Hautpilz – Vorsicht!“). Verwenden Sie für dieses Pferd ausschließlich eigenes Putzzeug, Decken und Equipment. Behandeln Sie das infizierte Pferd immer als letztes im Stall. Wechseln Sie nach Kontakt mit dem Pferd Ihre Kleidung und waschen Sie gründlich Ihre Hände. Wenn mehrere Pferde im Stall an Hautpilz erkrankt sind, sollten diese trotzdem auch voneinander isoliert werden.
Hygienemaßnahmen für alle anderen Pferde:
Kontrollieren Sie täglich alle anderen Pferde auf verdächtige Hautstellen. Teilen Sie kein Putzzeug zwischen verschiedenen Pferden. Desinfizieren Sie regelmäßig Boxenwände, Tränken und Futtertröge. Reinigen Sie Sattelgurte, Halfter und andere Ausrüstung gründlich.
Desinfektion von kontaminierten Gegenständen:
Decken, Sattelunterlagen und Halfter müssen bei mindestens 60 Grad gewaschen werden. Putzzeug sollte in heißem Wasser mit pilzabtötendem Desinfektionsmittel eingeweicht werden. Wischen Sie harte Oberflächen mit pilzwirksamen Desinfektionsmitteln ab (z.B. auf Basis von Natriumhypochlorit oder Enilconazol). Bürsten können auch für 24 Stunden in die Gefriertruhe gelegt werden – Kälte tötet viele Sporen ab.
Behandlung von Hautpilz beim Pferd
Die Behandlung erfordert Geduld und Konsequenz. Je nach Ausmaß des Befalls kommen verschiedene Methoden zum Einsatz:
Lokale Behandlung:
Lokaltherapie ist die wichtigste Maßnahme. In den meisten Fällen reicht eine konsequente äußere Behandlung völlig aus. Man führt Waschungen mit pilzabtötenden Lösungen durch (z.B. Enilconazol, Markenname Imaverol). Das gesamte Pferd sollte gewaschen werden, nicht nur die betroffenen Stellen. Die Pilzsporen können überall im Fell verteilt sein und sind mit bloßem Auge nicht sichtbar. Die Waschungen erfolgen alle 3-4 Tage, insgesamt 3-4 Anwendungen. Die Lösung sollte nach Möglichkeit nicht abgespült werden, sondern auf dem Pferd trocknen. Bei Bedarf können lange Haare rund um die Läsion vorsichtig mit der Schere gekürzt werden. Krusten sollten nur nach dem Einweichen entfernt werden. Während der gesamten Prozedur müssen Einmalhandschuhe getragen werden..Antimykotische Salben oder Sprays können zusätzlich auf die kahlen Stellen aufgetragen werden. Die pilzabtötenden Lösungen, Shampoos, Salben und Sprays sind apothekenpflichtig und nicht frei verkäuflich, daher werden sie in der Regel über den Tierarzt bezogen.
Systemische Behandlung:
In seltenen, sehr schweren Fällen kann eine Behandlung mit Antimykotika in Form von Tabletten oder Injektionen (z.B. Itraconazol) notwendig sein. Entscheidend für die Wahl der Therapie ist der Leidensdruck des Pferdes, zum Beispiel ob starker Juckreiz auftritt. In den meisten Fällen ist Hautpilz beim Pferd nicht stark schmerzhaft. Eine systemische Therapie ist nur angezeigt bei sehr schwerem, generalisierten Befall oder Therapieversagen der Lokalbehandlung.
Wichtig: Brechen Sie die Behandlung nicht vorzeitig ab, auch wenn die Symptome verschwunden sind! Die Pilzsporen können noch Wochen überleben. Behandeln Sie konsequent bis zur Nachkontrolle durch den Tierarzt..
Ihr Pferd benötigt eine wirksame Behandlung gegen Hautpilz? Die Experten der Altano Group beraten Sie zur optimalen Therapie. Nehmen Sie jetzt Kontakt auf.
Wann ist eine Impfung sinnvoll?
In einigen Ländern Es gibt es Impfstoffe gegen Hautpilz (besonders gegen Trichophyton equinum). Diese können sowohl vorbeugend als auch therapeutisch eingesetzt werden. Eine Pilzimpfung ersetzt nicht die lokale Behandlung, kann jedoch zusätzlich eingesetzt werden.
Vorteile der Impfung:
- Kann die Heilung bei bestehender Infektion beschleunigen.
- Schützt andere Pferde im Bestand.
- Besonders sinnvoll in größeren Beständen oder bei wiederkehrenden Problemen.
Nachteile:
- Nicht in allen Ländern verfügbar.
- Schützt nicht zu 100 Prozent, die Wirkung ist individuell unterschiedlicht. Kann lokale Reaktionen an der Einstichstelle verursachen.
Sprechen Sie mit Ihrem Tierarzt, ob eine Impfung in Ihrem Fall sinnvoll ist.
Umgebungsdesinfektion: Der oft vergessene Schritt
Die Behandlung des Pferdes allein reicht nicht aus – die Umgebung muss gründlich gereinigt werden, sonst kann es zu Rückfällen kommen. Wichtig ist außerdem, alle Bereiche vor der Desinfektion gründlich zu reinigen, da man Verunreinigungen nicht desinfizieren kann.
Box und Stallbereich:
Entfernen Sie zunächst das Einstreu. Waschen Sie Wände, Böden, Gitter und Tränken mit heißem Wasser und Reinigungsmittel. Desinfizieren Sie alle Flächen mit einem pilzwirksamen Desinfektionsmittel. Lassen Sie die Box gut trocknen und lüften, bevor Sie neue Einstreu einbringen. Wiederholen Sie die Desinfektion nach 2 Wochen.
Weideunterstände und Paddocks:
Auch hier sollten Zaunpfosten, Unterstand-Wände und Tränken desinfiziert werden. Entfernen Sie alte Einstreu komplett.
Putzplatz und Waschplatz:
Diese Bereiche sind besonders gefährdet, da hier viele Pferde geputzt und gewaschen werden. Die gründliche Reinigung und Desinfektion ist essentiell.
Ansteckungsgefahr für den Menschen: So schützen Sie sich
Der Hautpilz beim Pferd ist eine Zoonose, also eine auf den Menschen übertragbare Krankheit! Menschen können sich schnell infizieren und entwickeln dann kreisrunde, juckende, schuppige Hautläsionen.
Schutzmaßnahmen für Pferdebesitzer und Stallpersonal:
- Tragen Sie beim Umgang mit infizierten Pferden immer Handschuhe
- Waschen Sie nach jedem Kontakt gründlich Ihre Hände mit Seife
- Tragen Sie beim Waschen des Pferdes langärmelige Kleidung und wechseln Sie diese danach
- Vermeiden Sie direkten Hautkontakt mit den betroffenen Stellen
- Waschen Sie die Kleidung sofort bei mindestens 60 Grad
Besonders gefährdete Personen:
Kinder haben oft engeren Körperkontakt zu Pferden – achten Sie besonders auf Hygiene. Menschen mit geschwächtem Immunsystem sollten den Kontakt zu infizierten Pferden meiden. Bei Verdacht auf eine eigene Infektion: Suchen Sie einen Hautarzt auf!
Sie haben Fragen zur Hygiene im Stall oder zum Infektionsschutz? Die Tierärzte der Altano Group beraten Sie umfassend. Vereinbaren Sie ein Beratungsgespräch.
Vorbeugung: So senken Sie das Risiko für Hautpilz
Auch wenn sich nicht jede Infektion verhindern lässt, können Sie das Risiko deutlich reduzieren:
Stallhygiene optimieren:
Regelmäßige Reinigung und Desinfektion von Boxen, Putzplatz und Equipment. Jedes Pferd sollte sein eigenes Putzzeug haben – keine gemeinsame Nutzung! Decken, Halfter und Sattelunterlagen sollten regelmäßig gewaschen werden. Wichtig ist außerdem eine gute Belüftung im Stall und trockene Boxen – Pilze lieben feucht-warme Bedingungen.
Sie möchten ein umfassendes Präventionskonzept für Ihren Stall? Die Experten der Altano Gruppe helfen Ihnen bei der Stallhygiene und Vorbeugung. Vereinbaren Sie ein Beratungsgespräch.
Immunsystem stärken:
Sorgen Sie für eine bedarfsgerechte Fütterung mit ausreichend Vitaminen und Spurenelementen. Besonders wichtig sind Zink und Biotin für gesunde Haut. Stressreduktion ist ebenfalls eine wichtige unterstützende Maßnahme – achten Sie auf verträgliche Herdenzusammensetzung und ausreichend Platz. Regelmäßige Bewegung und frische Luft stärken die Abwehrkräfte.
Vorsicht bei Neuzugängen:
Neue Pferde sollten zunächst isoliert werden und gründlich auf Hautveränderungen untersucht werden. Erst nach einer Quarantänezeit von mindestens 2 Wochen sollten sie zu anderen Pferden gelassen werden. Diese Quarantänezeit ist auch für andere infektiöse Erkrankungen entscheidend.
Bei Turnieren und Lehrgängen:
Nehmen Sie immer Ihr eigenes Putzzeug mit. Lassen Sie Ihr Pferd nicht aus fremden Wassereimern trinken. Waschen Sie nach der Rückkehr alle Ausrüstung gründlich.
Heilungsverlauf: Was können Sie erwarten?
Bei konsequenter Behandlung heilt Hautpilz in den meisten Fällen vollständig aus:
Typischer Verlauf:
Woche 1 bis 2: Die kahlen Stellen werden zunächst nicht kleiner, manchmal sogar vorübergehend größer. Das ist normal – die Behandlung braucht Zeit. Nach 1-2 Wochen sollte eine klinische Besserung eintreten.
Woche 3 bis 4: Erstes Nachwachsen von Fell an den Rändern der kahlen Stellen. Die Haut wird glatter, weniger schuppig.
Woche 5 bis 8: Fortgesetztes Fellwachstum. Die kahlen Stellen werden kleiner. Woche 8 bis 12: In den meisten Fällen ist das Fell vollständig nachgewachsen.
Wichtig: Das nachwachsende Fell kann zunächst eine andere Farbe haben (heller oder dunkler) oder eine andere Struktur aufweisen. Dies normalisiert sich meist mit der Zeit.
Kontrolle des Behandlungserfolgs:
Nach 4 Wochen Behandlung sollte eine Kontrolluntersuchung beim Tierarzt erfolgen. Eine abschließende Pilzkultur kann sicherstellen, dass die Infektion wirklich beseitigt ist. Die Quarantäne sollte erst aufgehoben werden, wenn der Tierarzt grünes Licht gibt.
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Fazit: Konsequenz ist der Schlüssel zum Erfolg
Hautpilz beim Pferd ist zwar hartnäckig, aber mit der richtigen Behandlung und vor allem mit konsequenter Hygiene gut in den Griff zu bekommen. Erkennen Sie Hautpilz frühzeitig an kreisrunden kahlen Stellen und lassen Sie die Diagnose tierärztlich sichern. Isolieren Sie betroffene Pferde sofort, um eine Ausbreitung zu verhindern. Behandeln Sie konsequent über mindestens 4 Wochen – auch wenn die Symptome früher verschwinden. Desinfizieren Sie gründlich die gesamte Umgebung, sonst drohen Rückfälle. Schützen Sie sich selbst durch Hygienemaßnahmen – Hautpilz ist auf den Menschen übertragbar.
Mit Geduld, Konsequenz und der richtigen Behandlung wird Ihr Pferd den Hautpilz los und kann bald wieder vollständig genesen im Herdenverband stehen.
Zur besseren Lesbarkeit verwenden wir in unseren Texten überwiegend das generische Maskulinum. Selbstverständlich beziehen sich alle Personenbezeichnungen gleichermaßen auf alle Geschlechter. Die verkürzte Sprachform dient ausschließlich der besseren Verständlichkeit und ist wertfrei zu verstehen.






