Ihr Pferd wirkt matt, frisst nicht richtig und schwitzt – könnte es Fieber haben? Erhöhte Körpertemperatur ist keine eigenständige Krankheit, sondern ein Symptom und ein wichtiges Warnsignal des Körpers. Die Herausforderung besteht darin, die zugrundeliegende Ursache zu finden. Dies ist nicht immer einfach, da viele verschiedene Krankheiten Fieber verursachen können. Pferde, die Fieber haben, könnten an einer ansteckenden Krankheit erkrankt sein. Daher ist es besonders wichtig, die Ursache herauszufinden und das Pferd bis dahin so gut wie möglich zu isolieren, um die Ansteckungsgefahr für andere Pferde zu reduzieren.
In diesem Ratgeber erfahren Sie, wie Sie richtig Fieber messen, welche Temperatur normal ist, welche Begleitsymptome Ihnen wichtige Hinweise geben und wie Ihr Tierarzt systematisch nach der Ursache sucht.
Was ist Fieber und warum bekommt ein Pferd Fieber?
Fieber ist eine Erhöhung der Körpertemperatur über den normalen Bereich hinaus. Es handelt sich dabei um eine natürliche Abwehrreaktion des Körpers gegen Krankheitserreger oder andere Störungen. Die erhöhte Temperatur unterstützt das Immunsystem bei der Bekämpfung von Infektionen.
Normale Körpertemperatur beim Pferd:
- Erwachsene Pferde: 37,5° bis 38,2°Celsius
- Fohlen: 37,5° bis 38,9° Celsius (etwas höher als bei erwachsenen Pferden)
- Leicht erhöhte Werte können auch nach Anstrengung, bei Aufregung oder an heißen Tagen auftreten
Ab wann spricht man von Fieber?
- Leicht erhöhte Temperatur: 38,3° bis 38,9° Celsius
- Fieber: ab 39,0° Celsius
- Hohes Fieber: ab 40,0° Celsius – Hier ist sofortiges tierärztliches Handeln erforderlich.
Sie messen Fieber bei Ihrem Pferd und sind unsicher über die Ursache? Die Spezialisten in den Altano-Kliniken helfen Ihnen bei der schnellen Diagnose. Finden Sie jetzt eine Klinik in Ihrer Nähe.
Fieber messen beim Pferd: So geht es richtig
Die einzig zuverlässige Methode, um festzustellen, ob Ihr Pferd Fieber hat, ist die Messung mit einem Thermometer an der Rektumschleimhaut.
Schritt-für-Schritt-Anleitung zum Fiebermessen:
- Verwenden Sie ein digitales Fieberthermometer – diese sind schnell, genau und einfach abzulesen.
- Desinfizieren Sie die Thermometerspitze und tragen Sie etwas Gleitgel oder Vaseline auf.
- Stellen Sie sich seitlich neben das Pferd, nicht direkt dahinter. Sicherheit geht vor!
- Heben Sie den Schweif vorsichtig an und führen Sie das Thermometer etwa 5 bis 8 cm tief in den After ein.
- Halten Sie das Thermometer schräg gegen die Darmwand, nicht in die Mitte des Darms – so erhalten Sie die genaueste Messung.
- Warten Sie, bis das Thermometer piept (meist nach 30 bis 60 Sekunden).
- Ziehen Sie das Thermometer vorsichtig heraus, lesen Sie den Wert ab und notieren Sie ihn zusammen mit Datum und Uhrzeit.
- Reinigen und desinfizieren Sie das Thermometer nach jedem Gebrauch.
- Wiederholen Sie die Messung, falls Ihnen der Wert unrealistisch hoch oder tief vorkommt. Achten Sie darauf, dass das Pferd nicht gerade äppelt oder das Thermometer in einem Pferdeapfel steckt, statt die Darmwand zu berühren – dies führt zu falsch niedrigen Temperaturmessungen.
Tipp: Messen Sie am besten immer zur gleichen Tageszeit, da die Körpertemperatur im Tagesverlauf leicht schwanken kann. Morgens ist sie meist etwas niedriger als abends.
Die häufigsten Ursachen für Fieber beim Pferd
- Infektionen der Atemwege
- Virusinfektionen (zB Equine Influenza, Equines Herpes Virus)
- Bakterielle Atemwegsinfektionen
- Bronchopneumonie (Lungenentzündung)
- Magen-Darm-Erkrankungen
- Salmonellose (sehr typische Ursache bei Durchfall und Fieber)
- Darmwandentzündung (Colitis)
- Peritonitis (Bauchfellentzündung – sehr selten, ernste Erkrankung)
- Parasiten
- massiver Befall mit Strongyliden (zB Larvale Cyathostominose)
- Infektionen der Haut oder Wunden
- Abszesse oder infizierte Verletzungen
- Phlegmone (Einschuss)
- Infektiöse Gelenkentzündungen
- Zahnprobleme mit Abszessbildung (Wurzelabszess, Kieferhöhlenentzündung)
- Reaktionen auf Medikamente
- Impfreaktion (leichte Temperaturerhöhung häufig normal)
- Medikamentenunverträglichkeiten (seltener)
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Begleitsymptome richtig deuten: Was ist sonst auffällig?
Fieber tritt selten isoliert auf. Die Begleitsymptome geben wichtige Hinweise auf die zugrundeliegende Erkrankung:
Allgemeinbefinden: Mattigkeit, Teilnahmslosigkeit, gesenkter Kopf, aufgezogene Bauchdecke – Symptome für den Schweregrad der Erkrankung
Atemwegssymptome: Husten, Nasenausfluss (klar, eitrig oder blutig), erschwerte Atmung oder erhöhte Atemfrequenz
Verdauungssymptome: Appetitlosigkeit, Koliksymptome, Durchfall oder veränderter Kotabsatz
Bewegungsapparat: Lahmheit, Schwellungen an den Beinen, steifer Gang
Schleimhäute: Verfärbungen der Maulschleimhaut (gerötet, blass, gelblich) geben Hinweise auf Kreislauf- oder Organprobleme
Wann ist Fieber beim Pferd ein Notfall?
Sofortiger Handlungsbedarf bei:
- Fieber über 40,0°C
- Fieber in Kombination mit starken Koliksymptomen
- Sehr schlechtes Allgemeinbefinden, das Pferd steht apathisch oder liegt und will nicht aufstehen
- Atemnot oder sehr schnelle, angestrengte Atmung
- Blaue oder stark gerötete Schleimhäute
- Stark geschwollene Gliedmaßen mit Wärme und Schmerzhaftigkeit, starke Lahmheit (im Schritt sichtbar)
- Fohlen mit Fieber: Fohlen haben ein noch unreifes Immunsystem und können sehr schnell kritisch erkranken, daher sollte jedes Fieber bei Fohlen ernst genommen werden. Besonders in den ersten Lebenswochen ist schnelles Handeln wichtig
- Trächtige Stuten: Fieber während der Trächtigkeit kann zu Fehlgeburten führen, besonders bei Herpesinfektionen. Trächtige Stuten mit Fieber sollten sofort untersucht werden
- Ältere Pferde: Bei Senioren kann Fieber auf ernstere Grunderkrankungen hinweisen. Das Immunsystem arbeitet oft nicht mehr optimal, deshalb ist besondere Aufmerksamkeit geboten
Tierärztliche Kontrolle innerhalb der nächsten 1-2 Tage bei:
- Erhöhte Temperatur oder Fieber unter 40,0°C, das länger als 24 Stunden anhält
- Fieber mit Husten und Nasenausfluss oder deutlicher Appetitlosigkeit
- Wiederkehrendes Fieber ohne erkennbare Ursache
Ihr Pferd oder Fohlen zeigt Fieber? Die Altano-Kliniken haben Erfahrung mit allen Altersgruppen. Finden Sie jetzt eine Klinik in Ihrer Nähe.
Die tierärztliche Untersuchung: Detektivarbeit
1. Allgemeine klinische Untersuchung
Eine klinische Allgemeinuntersuchung beginnt immer mit der Beurteilung des Allgemeinverhaltens des Pferdes: Haltung, Mimik, Atmung, Futteraufnahme und Reaktionsbereitschaft geben erste Hinweise auf den Gesundheitszustand. Anschließend erfolgt eine systematische Adspektion und Palpation des gesamten Körpers – beginnend am Kopf über Hals, Brustkorb, Rücken, Bauch und die Gliedmaßen. Dabei werden Schleimhäute beurteilt, Lymphknoten abgetastet und die Haut auf Schwellungen oder Verletzungen geprüft. Danach folgen die Vitalparameter, insbesondere Temperatur, Puls und Atmung. Die Messung der rektalen Körpertemperatur ist ein zentraler Bestandteil, ebenso wie das Abhören von Herz, Lunge und Darmgeräuschen. Zuletzt wird der Kreislaufstatus anhand von Kapillarfüllungszeit, Hautturgor und Hydratation beurteilt.
Diese Untersuchung ist der wichtigste erste Schritt bei einem Pferd mit Fieber. Nur durch eine vollständige Allgemeinuntersuchung lässt sich erkennen, welches Organsystem betroffen sein könnte, ob es Hinweise auf eine Infektion, Kolikentwicklung, Atemwegsproblematik oder eine lokale Entzündung gibt. Zudem ist sie essenziell, um die Schwere des Krankheitszustands einzuschätzen, Komplikationen früh zu erkennen und zu entscheiden, welche weiterführenden diagnostischen Maßnahmen – wie Blutuntersuchung, Ultraschall oder Endoskopie – sinnvoll und sicher sind. Eine gründliche Allgemeinuntersuchung schafft also die Grundlage für jede zielgerichtete Diagnostik und Therapie.
2. Labordiagnostik
- Hämatologie: zeigt Entzündungszeichen (erhöhte weiße Blutkörperchen)
- Blutchemie: Überprüfung von Leber-, Nieren- und Muskelwerten
- Tupferproben: Bei Nasenausfluss oder Wunden zur Erregerbestimmung
3. Bildgebende Verfahren und spezifische Untersuchungen
Bildgebende Verfahren wie Röntgen, Ultraschall oder Endoskopie können je nach Symptomen eingesetzt werden, um Verdachtsdiagnosen zu bestätigen oder auszuschließen. Je nach Symptomen werden die weiteren Möglichkeiten der Diagnostik eingesetzt, dazu gehören auch spezifische Tests für einzelne Infektionskrankheiten oder Blutparasiten.
Ihr Pferd benötigt eine umfassende Diagnostik? Die Altano-Kliniken verfügen über moderne Untersuchungsmöglichkeiten und Labore. Nehmen Sie jetzt Kontakt auf.
Behandlung: Was tun bei Fieber?
Die Behandlung richtet sich immer nach der zugrundeliegenden Ursache. Dennoch gibt es allgemeine Maßnahmen:
Symptomatische Behandlung:
Fiebersenkende Medikamente – aber nur nach tierärztlicher Anordnung! Vorsicht: Fieber sollte nicht unterdrückt werden, bevor die Ursache geklärt ist, da es ein wichtiges Warnsignal ist.
Unterstützende Maßnahmen:
- Isolation des betroffenen Pferdes, um die Gefahr einer Ansteckung von anderen Pferden zu minimieren. Nachbarpferde engmaschig überwachen und ebenfalls Fieber messen
- Ruhe und Schonung – das Pferd sollte nicht belastet werden
- Frisches Wasser immer in Reichweite – Fieber führt zu erhöhtem Flüssigkeitsbedarf
- Schmackhaftes Futter anbieten – bei Appetitlosigkeit eingeweichte Heucobs oder Mash; grundsätzlich sollte ausreichend Raufutter angeboten und die Kraftfuttermenge reduziert werden
- Temperaturkontrolle – messen Sie 2- bis 3-mal täglich die Temperatur und dokumentieren Sie den Verlauf
Kausale Behandlung je nach Ursache:
Sobald Sie zusammen mit Ihrem Tierarzt die Ursache für das Fieber gefunden haben, wird Ihr Tierarzt die notwendige Therapie beginnen. Diese kann von einer allgemeinen Unterstützung des Immunsystems bis hin zur Gabe bestimmter Medikamente gehen und sollte nur in Absprache mit dem Tierarzt erfolgen. In manchen Fällen geht das Fieber bereits zurück, bevor die Ursache herausgefunden werden konnte. Dann erfolgt in der Regel eine symptomatische Behandlung und häufig bleibt die Ursache unbekannt.
Wann darf das Pferd wieder belastet werden?
- Während der Fieberphase: Absolute Boxenruhe – keine Belastung! Auch leichte Bewegung kann den Zustand verschlechtern. Nur kurze Spaziergänge zum Grasen sind unter Umständen möglich, wenn der Tierarzt zustimmt.
- Nach Abklingen des Fiebers: Mindestens 3 bis 5 Tage nach dem letzten Fieberschub absolute Ruhe, dann langsamer Trainingsaufbau über mehrere Wochen
- Wichtig: Besprechen Sie den Trainingsplan mit Ihrem Tierarzt! Einige Erkrankungen benötigen eine längere Rekonvaleszenz als andere
Vorbeugung: So stärken Sie das Immunsystem
Auch wenn sich nicht jede Infektion verhindern lässt, können Sie das Immunsystem Ihres Pferdes unterstützen:
Impfungen auf dem aktuellen Stand halten: Alle Pferde im Bestand sollten geimpft sein. Die StiKo Vet (ständige Impfkommission der Veterinärmedizin) empfiehlt die Impfung gegen Tetanus, Influenza, Equines Herpes-Virus sowie in weiten Teilen Deutschland die Impfung gegen das West-Nil-Virus.
Optimale Haltungsbedingungen: Gute Stallhygiene reduziert den Infektionsdruck. Ausreichend frische Luft ist wichtig, Zugluft sollte vermieden werden. Stress schwächt das Immunsystem.
Bedarfsgerechte Fütterung: Ausreichend Raufutter ist essenziell für eine gesunde Darmflora. Bei Bedarf sollte eine Supplementierung mit Vitaminen und Mineralstoffen erfolgen. Besonders im Winter können Vitamin D und Zink das Immunsystem unterstützen.
Regelmäßige Bewegung: Moderates Training stärkt das Immunsystem. Vermeiden Sie sowohl Über- als auch Unterforderung.
Sie möchten einen individuellen Impf- und Präventionsplan für Ihr Pferd? Die Tierärzte der Altano Gruppe beraten Sie gerne. Vereinbaren Sie einen Termin.
Fazit: Fieber ist ein wichtiges Warnsignal
Fieber beim Pferd ist keine eigenständige Krankheit, sondern ein wichtiges Symptom, das auf verschiedene Erkrankungen hinweisen kann. Die wichtigsten Punkte zusammengefasst:
Messen Sie die Temperatur Ihres Pferdes mit einem Fieberthermometer – nur so erhalten Sie verlässliche Werte. Achten Sie auf Begleitsymptome – sie geben wichtige Hinweise auf die Ursache. Handeln Sie bei hohem Fieber, schlechtem Allgemeinbefinden oder kritischen Begleitsymptomen sofort. Lassen Sie die Ursache tierärztlich abklären – nur so kann gezielt behandelt werden. Gönnen Sie Ihrem Pferd ausreichend Ruhe zur Erholung.
Mit der richtigen Beobachtung und schnellem Handeln im Bedarfsfall helfen Sie Ihrem Pferd, schnell wieder gesund zu werden.
Zur besseren Lesbarkeit verwenden wir in unseren Texten überwiegend das generische Maskulinum. Selbstverständlich beziehen sich alle Personenbezeichnungen gleichermaßen auf alle Geschlechter. Die verkürzte Sprachform dient ausschließlich der besseren Verständlichkeit und ist wertfrei zu verstehen.





