Das Wichtigste auf einen Blick
Die periodische Augenentzündung, auch Mondblindheit oder Equine Rezidivierende Uveitis (ERU) genannt, ist eine chronische Entzündung der mittleren Augenhaut, die in wiederkehrenden Schüben auftritt und unbehandelt zur Erblindung führen kann. Als Hauptursachen gelten Leptospiren-Infektionen, Autoimmunreaktionen und genetische Veranlagung – erkennbar ist ein Schub an tränenden, geröteten Augen, Lichtempfindlichkeit und Verhaltensänderungen. Die Behandlung reicht von entzündungshemmenden Medikamenten bis hin zu chirurgischen Eingriffen, während regelmäßige tierärztliche Kontrollen, gute Stallhygiene und UV-Schutz wichtige Präventionsmaßnahmen darstellen.
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Was ist die periodische Augenentzündung beim Pferd?
Die periodische Augenentzündung ist eine chronische Entzündung der mittleren Augenhaut – der sogenannten Uvea, die aus Iris, Ziliarkörper und Aderhaut besteht. Es gibt verschiedene Formen, darunter die klassische Form sowie die atypische Form, auch Tigerschecken-Uveitis genannt. Charakteristisch für die Erkrankung sind wiederkehrenden Entzündungsschübe, weshalb sie auch als equine rezidivierende Uveitis (ERU) bezeichnet wird. Die Intervalle zwischen den Schüben können Wochen, Monate oder sogar Jahre betragen. Der Begriff „Mondblindheit“ stammt aus der Antike und bezieht sich auf den scheinbar periodischen Verlauf, der an den Mondphasenzyklus erinnert.
Ursachen und Auslöser
Die genauen Ursachen der periodischen Augenentzündung sind noch nicht vollständig geklärt. Wissenschaftliche Studien deuten auf eine multifaktorielle Entstehung hin – verschiedene Faktoren spielen zusammen:
- Leptospiren-Infektion: Bakterien der Gattung Leptospira, die vor allem durch Nagetiere wie Mäuse und Ratten übertragen werden, gelten in Europa als Hauptursache. Die Erreger gelangen über kontaminiertes Wasser oder Futter in den Körper und können eine Immunreaktion im Auge auslösen.
- Autoimmunreaktionen: In manchen Regionen, etwa Nordamerika, wird die Erkrankung eher als Autoimmunerkrankung angesehen, bei der das Immunsystem körpereigene Augenstrukturen angreift.
- Genetische Veranlagung: Bestimmte Pferderassen wie Tigerschecken, Appaloosas oder Cremellos zeigen eine erhöhte Anfälligkeit, was auf genetische Faktoren hinweist.
Stress kann bei Pferden, die bereits an ERU erkrankt sind, einen Entzündungsschub begünstigen. Verletzungen am Auge können zwar eine Uveitis auslösen, gelten aber nicht als klassischer ERU-Auslöser.
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Symptome der Mondblindheit
Jeder Schub kann anders verlaufen – die Symptome der periodischen Augenentzündung variieren und entwickeln sich oft schrittweise. Einige Krankheitsverläufe verlaufen gar symptomfrei, vor allem bei der atypischen Form. Diese Symptome können ein typisches Anzeichen sein:
- Tränenfluss sowie gerötete und geschwollene Augenlider
- Lichtempfindlichkeit und vermehrtes Blinzeln
- Verengte oder unregelmäßig geformte Pupille
- Trübung der Linse oder Hornhaut
- Schmerzen, die sich durch ein „Schmerzgesicht“ äußern (z.B. zusammengekniffene Augen, nach hinten gerichtete Ohren)
- Verhaltensänderungen wie Schreckhaftigkeit oder Unsicherheit beim Reiten
Wichtig zu wissen: Da die Erkrankung in Schüben verläuft, können zwischen den akuten Phasen entzündungsfreie Phasen liegen. In diesen Phasen kommt es in der Regel nicht zu neuen Schäden. Allerdings bringt jeder Schub weitere Schäden mit sich. Als Besitzer ist es wichtig, sensibel auf neue Entzündungszeichen zu achten und das Pferd dann zeitnah beim Tierarzt zur Behandlung vorzustellen.
Diagnose durch den Tierarzt
Eine sichere Diagnose der periodischen Augenentzündung erfordert eine gründliche Untersuchung durch einen Tierarzt, idealerweise einen Augenspezialisten. Folgende Untersuchungen sind üblich:
- Klinische äußere Untersuchung beider Augen und der Augenumgebung
- Ophthalmoskopische Untersuchung
- Spaltlampenuntersuchung
- Ultraschalluntersuchung des Auges zur Beurteilung von Glaskörper und Netzhaut
- Gegebenenfalls weiterführende Untersuchungen wie Fluoresceintest oder Augeninnendruckmessung
Eine frühzeitige Diagnose ist entscheidend, um irreversible Schäden und den Verlust der Sehkraft zu verhindern.
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Behandlungsmöglichkeiten
Die Behandlung der periodischen Augenentzündung beim Pferd zielt darauf ab, die Entzündung zu kontrollieren, Schmerzen zu lindern und das Risiko weiterer Schübe zu minimieren:
- Medikamentöse Therapie: Die klassische Behandlung bei einem akuten Entzündungsschub erfolgt mit entzündungshemmenden Augensalben oder -tropfen, wobei Cortison zur Entzündungshemmung und Atropin zur Pupillenweitstellung die wichtigsten Wirkstoffe sind.
- Intravitreale Gentamicin-Injektion (IVG): Bei diesem Eingriff wird das Antibiotikum Gentamicin direkt in den Glaskörper injiziert, um die Leptospiren zu bekämpfen. Die IVG kommt vor allem dann in Frage, wenn eine Vitrektomie nicht möglich ist – zum Beispiel aus Kostengründen oder weil eine Vollnarkose nicht gewünscht wird. Die Erfolgschancen sind geringer als bei der Vitrektomie: In etwa der Hälfte der Fälle bleibt das Pferd langfristig entzündungsfrei.
- Chirurgische Eingriffe – Vitrektomie: Bei diesem Eingriff wird die veränderte Glaskörperflüssigkeit soweit möglich entfernt und durch eine geeignete Flüssigkeit ersetzt. Dabei werden Leptospiren und Entzündungsprodukte ausgespült, die Flüssigkeit wird wieder klar und die Sicht verbessert sich. Die Vitrektomie ist die einzige Möglichkeit, die klassische Form der ERU zu heilen – bei der atypischen Form ist der Erfolg nicht immer gegeben.
- Enukleation (Entfernung des Auges): In Fällen, in denen das Auge bereits erblindet ist und sich trotzdem immer wieder schmerzhaft entzündet, oder wenn die Entzündung trotz aller Therapiemaßnahmen nicht kontrollierbar ist, kann die Entfernung des Auges die beste Option sein, um dem Pferd Schmerzen zu ersparen.
- Ciclosporin-Dauertherapie: Wo eine Operation oder Injektion nicht in Frage kommt, können speziell hergestellte Ciclosporinsalben in der Daueranwendung eingesetzt werden. Sie wirken ähnlich wie das Ciclosporinimplantat – das in Deutschland jedoch nicht zugelassen ist.
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Stallhygiene und allgemeines Gesundheitsmanagement
Die Fütterung und allgemeine Gesundheit eines Pferdes sind entscheidende Faktoren, wenn es um die Vorbeugung und das Management von Augenentzündungen wie der periodischen Augenentzündung beim Pferd geht. Ein starkes Immunsystem ist die beste Verteidigung gegen viele Erkrankungen, darunter auch die periodische Augenentzündung, die zu schwerwiegenden Folgen wie Erblindung führen kann.
Neben der Fütterung spielt die Stallhygiene und Nagetierbekämpfung eine zentrale Rolle. Sauberes Wasser und regelmäßig gereinigte Futterbehälter verhindern die Vermehrung von Bakterien, die Augenentzündungen auslösen können. Eine gesunde Umgebung trägt dazu bei, das Immunsystem des Pferdes zu entlasten und das Risiko für Infektionen zu minimieren.
Wenn erste Symptome bemerkt werden, sollte das Pferd zeitnah einem Tierarzt zur Abklärung vorgestellt werden. . Eine rechtzeitige Diagnose ermöglicht eine gezielte Behandlung und kann verhindern, dass die periodische Augenentzündung zu dauerhaften Schäden oder gar zum Verlust der Sehkraft führt.
Wer als Pferdebesitzer auf eine ausgewogene Fütterung, eine saubere Umgebung und regelmäßige tierärztliche Kontrollen achtet, leistet einen wichtigen Beitrag zur Augengesundheit seines Pferdes. Eine vollumfängliche Garantie zur Vermeidung einer Krankheit ist dies jedoch nicht: Die meisten Augenentzündungen entstehen von innen heraus, obwohl die äußeren Umstände optimal sind.
Managementstrategien für Pferdebesitzer
Als Pferdebesitzer können Sie durch gezielte Maßnahmen das Wohlbefinden Ihres Pferdes verbessern und die Erkrankung besser kontrollieren:
- Regelmäßige tierärztliche Kontrollen, besonders bei Pferden mit bekannter ERU
- Schutz der Augen vor UV-Strahlung durch Fliegenmasken mit UV-Schutz
- Vermeidung von Stresssituationen, die Entzündungsschübe auslösen können
- Sorgfältige Stallhygiene zur Minimierung von Nagetierbefall und Infektionsrisiken
- Aufmerksames Beobachten der Augen, um erste Symptome zu erkennen
- Enger Austausch mit dem Tierarzt zur Anpassung der Behandlung
Fazit
Die periodische Augenentzündung beim Pferd ist eine ernstzunehmende Erkrankung, die das Sehvermögen nachhaltig beeinträchtigen kann. Mit fundiertem Wissen, frühzeitiger Diagnose und konsequentem Management können Pferdebesitzer jedoch entscheidend zur Lebensqualität ihres Tieres beitragen. Informieren Sie sich regelmäßig, arbeiten Sie eng mit Ihrem Tierarzt zusammen und schützen Sie die Gesundheit der Augen Ihres Pferdes bestmöglich. Mit Aufmerksamkeit und der richtigen Behandlung können Sie Ihrem Pferd viele beschwerdefreie Jahre schenken.
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Dieser Ratgeber bietet eine verständliche Übersicht über die komplexe Erkrankung Mondblindheit beim Pferd. Für individuelle Beratung und Behandlung wenden Sie sich bitte immer an Ihren Tierarzt. Schauen Sie sich gerne unsere Kliniken in Ihrer Nähe an!
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